Adalbert Stifter
Jugendbildnis


Adalbert Stifter
(1805-1868)



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ADALBERT STIFTER

1805

23.Oktober: Albert (später: Adalbert) wird als erstes Kind des Leinwebers und -händlers Johann Stifter und seiner Frau Magdalena, geb. Friepes, in dem Marktflecken Oberplan (Südböhmen) geboren. Einfluss der Großmutter Ursula Stifter geb. Kary (1756-1836) als »lebendige Chronik und Dichtung«.



Adalbert Stifters Geburtshaus in Oberplan (Horní Planá) in Südböhmen,Tschechische Republik

1817

November: Der Vater verunglückt tödlich. Der Großvater Augustin Stifter (1744-1834) führt das Anwesen weiter. Er erzählt dem Kind heimatliche Sagen und Geschichten.

1818
Sommer: Franz Friepes, der Großvater mütterlicherseits, bringt Adalbert nach Kremsmünster; Aufnahme in das Gymnasium des Benediktinerstifts: Adalbertus Stifter, Bohemus Oberplanensis. Schulbeginn im Herbst. P. Placidus Hall (1774-1853) unterrichtet Stifter von 1818 bis 1822 in den Grammatikalklassen; väterliches Verhältnis zu Stifter.
 



Benediktinerstift Kremsmünster, Oberösterreich

   

1820

Magdalena Stifter heiratet den Bäckermeister Ferdinand Mayer, zu dem Adalbert ein kritisches Verhältnis hat.
1824
P. Marian Koller, Physiker und Astronom, unterrichtet Stifter von 1824 bis 1826 und fördert dessen naturwissenschaftliche Interessen. Erste dichterische Versuche. Malunterricht bei Georg Riezlmayr (1784-1852).
1825
Pockenerkrankung Stifters.
1826
Abschluss des Gymnasiums der Abtei Kremsmünster mit besten Zeugnissen. Universitätsstudium in Wien: Jura (anfangs mit regelmäßigen und guten Examen), dazu Physik, Mathematik, Astronomie. Stifter verdient seinen Lebensunterhalt durch Nachhilfestunden.
1827
Liebesbeziehung zu der 19-jährigen Fanny Greipl (1808-1839), Tochter des wohlhabenden Leinwandhändlers Mathias Greipl in Friedberg, nahe Oberplan.
1829
Sommeraufenthalt mit Fanny und ihrem Bruder in Bad Hall. - Die autobiographisch gefärbte Erzählung Julius entsteht.
1830
Das Verhältnis zu Fanny ist getrübt. Stifters Briefe schwanken zwischen Liebesbeteuerungen und Unentschlossenheit. Unter dem Pseudonym Ostade veröffentlicht er acht Gedichte im Linzer »Österreichischen Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune« als Botschaft an Fanny. Er liest Romantiker, Heine, Cooper und vor allem Jean Paul. Dessen Schriften verändern seinen Lebensstil: Er wird zum Bohemien, wechselt wiederholt die Wohnung, wird gepfändet und vernachlässigt das Studium. Deutlicher Einfluss auf die frühen Erzählungen.
1832
Stifter macht keine Abschlussprüfungen. Vergebliche Bemühungen um Lehrmöglichkeiten: Universität Prag (Lehrstuhl für Physik; nach bestandenem schriftlichen Examen tritt Stifter nicht zum mündlichen Vortrag an) und Lyzeum in Linz.
1833
Abbruch der Beziehungen zu Fanny. Ihre Eltern wünschen die Beendigung des Kontaktes, weil Stifter keine gesicherte Existenz hat. Stifter lernt in Wien die attraktive Putzmacherin Amalia Mohaupt (1811-1883) kennen, Tochter eines pensionierten armen Unteroffiziers.
1835
Verlobung mit Amalia Mohaupt, die zur Heirat drängt. 28. August: Stifter schreibt an Fanny, dass er sich nur aus gekränkter Eitelkeit und Trotz verlobt habe. Vielleicht Entstehung des Condor.
1837
Fanny heiratet den Kameralsekretär Josef Fleischanderl. Stifter bewirbt sich vergeblich an der Forstlehranstalt Mariabrunn bei Wien. Gemeinsame Wohnung mit Amalia Mohaupt. 15. November: Stifter heiratet Amalia. Entstehung: Feldblumen (bis 1838); Wirkungen eines weißen Mantels (Journalfassung von Bergmilch).
1839
September: Fanny stirbt im Kindbett.
1840
Entstehung: Das Haidedorf (Pläne dazu schon früher); Die Mappe meines Urgroßvaters (Journalfassung).
Veröffentlichungen: Der Condor (»Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode«, Nr. 53-57, Wien 1840); Das Haidedorf (ebenda, Nr. 105-110); Feldblumen (»Iris. Taschenbuch für das Jahr 184l«, Jg. 2, Pest 1840).
1841
Stifter wird Herausgeber des Sammelwerkes Wien und die Wiener.
Entstehung: Der Hochwald (Journalfassung); Die Narrenburg (bis 1842, Journalfassung); Abdias (evtl. erst 1842, Journalfassung). Im September Reise nach Peterwardein in Westungarn mit Anregungen zu Brigitta.
Veröffentlichungen: Die Mappe meines Urgroßvaters (»Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode«, Nr. 88-93, Wien 1841: »Die Antiken«; »Der sanftmütige Obrist«; »Die Geschichte der zween Bettler«); Der Hochwald (»Iris. Taschenbuch für das Jahr 1842«, Jg. 3, Pest 1841).
 



Wohnhaus in der Seitenstettengasse, Wien, erbaut von Josef Kornhäusel.
Hier lebte das Ehepaar Stifter von 1842 bis 1848
.

   
1842
Entstehung: Das alte Siegel (bis 1843, Journalfassung); Brigitta (Journalfassung); Der späte Pfenning; Der Hochwald (bis 1843, Studienfassung).
Veröffentlichungen: Die Mappe meines Urgroßvaters (»Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode«, Nr. 43-50, Wien 1842: »Das Scheibenschießen in Pirling«); Die Narrenburg (»Iris. Taschenbuch für das Jahr 1843«, Jg. 4, Pest 1842).
1843
Entstehung: Der Hagestolz (bis 1844, Journalfassung); Die drei Schmiede ihres Schicksals; Die Narrenburg (bis 1844, Studienfassung).
Veröffentlichungen: Abdias (»Österreichischer Novellen-Almanach«, Wien 1843); Wirkungen eines weißen Mantels (»Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode«, Nr. 74-76, Wien 1843); Der späte Pfenning (»Album aus Österreich ob der Enns«, Linz 1843). Stifter wird Hauslehrer für Mathematik und Physik bei Richard von Metternich, dem Sohn des Staatskanzlers.
1844
Entstehung: Der Waldsteig (Journalfassung); Zuversicht; Die Barmherzigkeit (bis 1845); Die Schwestern (bis 1845, Journalfassung); Studienfassungen von Feldblumen; Das Haidedorf.
Veröffentlichungen: Das alte Siegel (»Österreichischer Novellen-Almanach«, Wien 1844); Die drei Schmiede ihres Schicksals (»Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode«, Nr. 1-7, Wien 1844; Brigitta (»Gedenke mein! Taschenbuch für das Jahr 1844«, Wien 1844); Der Hagestolz (»Iris. Taschenbuch für das Jahr 1845«, Jg. 6, Pest 1844); Studien, Bde. l und 2. 
1845
Reise mit Amalia nach Oberplan, Friedberg und in das Salzkammergut. Entstehung: Der beschriebene Tännling (Journalfassung); Der heilige Abend (Journalfassung von Bergkristall); Das alte Siegel (Studienfassung, bis 1846); Brigitta (Studienfassung, bis 1846).
Veröffentlichungen: Der Waldsteig (»Obderennsisches Jahrbuch für Literatur und Landeskunde«, Jg. 2, Linz 1845); Der heilige Abend (»Die Gegenwart«, Jg. l, Nr. 67-69, 71, Wien 1845); Die Barmherzigkeit (»Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode«, Nr. 2, Wien 1845); Die Schwestern (»Iris. Taschenbuch für das Jahr 1846«, Jg. 7, Pest 1845; in den Studien als Zwei Schwestern).
1846
Reise nach München. Entstehung: Bergkristall; Der Waldgänger; Der Tod einer Jungfrau; Der Waldsteig (bis 1847, Studienfassung); Der Hagestolz (bis 1849, Studienfassung).
Veröffentlichungen: Der beschriebene Tännling (Journalfassung, in »Rheinisches Taschenbuch auf das Jahr 1846«, Frankfurt a. M. 1846); Zuversicht (»Moosrosen. Ein Kranz von Novellen, Erzählungen, Märchen und Gedichten«, Wien/Leipzig 1846); Der Waldgänger (»Iris. Deutscher Almanach für 1847«, Neue Folge, Jg. l, Pest 1847).
1847
Antrag bei der Wiener Zensurhofstelle auf »Öffentliche Vorlesungen über das Schöne«, der abgelehnt wird. Sommeraufenthalt in Linz. Die sechsjährige Juliana Mohaupt (1841-59), Amalias Nichte, wird an Kindesstatt angenommen. Stifter interessiert sich für politische Reformbestrebungen. Entstehung: Journalistische Beiträge über Politik, Volkserziehung, Kunst, Literatur. Die Pechbrenner (Journalfassung von Granit); Der arme Wohltäter (Journalfassung von Kalkstein); Katzensilber, Prokopus. Studienfassung von Zwei Schwestern (bis 1849) und Der beschriebene Tännling (bis 1849).
Veröffentlichungen: Der arme Wohltäter (»Austria. Österreichischer Universal-Kalender für das Schaltjahr 1848«, Jg. 9, Wien 1847); Der Tod einer Jungfrau (»Österreichisches Volksblatt für Verstand, Herz und gute Laune«, Jg. 29, Nr. 109, Linz 1847); Prokopus (»Iris. Deutscher Almanach für 1848«, Neue Folge, Jg. 2, Pest 1847); Studien, Bde. 3 und 4.
1848
Stifter tritt für die Revolution ein und wird in seinem Wahlbezirk zum Wahlmann für die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Bald ist er von der Realität des politischen Handelns enttäuscht. 6. Mai: Umzug nach Linz
Entstehung: Der Pförtner im Herrenhause (Journalfassung von Turmalin).
 



Wohn- und Sterbehaus Stifters in Linz, heute Sitz des Adalbert-Stifter-Institutes des Landes Oberösterreich

1849
Stifter berät die Landesregierung von Oberösterreich in bildungspolitischen Fragen. Veröffentlichung von Aufsätzen zu Politik, Schulbildung, Rechtsfragen. Studien für historische Romane aus dem Mittelalter. Entstehung: Der alte Hofmeister (Vorstufe zu Der Nachsommer).
Veröffentlichung: Die Pechbrenner (»Vergissmeinnicht. Taschenbuch für 1849«, Jg. 3, Leipzig 1849).
1850
Ernennung zum Volksschulinspektor von Oberösterreich mit dem Titel eines k. k. Schulrats und 1500 Gulden Jahresgehalt. Arbeit an der Einrichtung einer Realschule in Linz. Große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft.
Veröffentlichungen: Studien, Bde. 5 und 6. Stifter verkauft die Rechte an den Studien seinem Verleger Gustav Heckenast (1811-78) in Pest, der zu einem der wichtigsten Briefpartner Stifters und zum unentbehrlichen Geldgeber wird. 
1851
Eröffnung der Realschule in Linz. - Die zehnjährige Juliana verschwindet um Weihnachten und wird erst zwei Wochen später wieder gefunden. Entstehung: Kalkstein. - Stifter verkauft die Rechte für die Sammlung Bunte Steine seinem Verleger.
1852
Vortrag Über den geschnitzten Hochaltar in der Kirche zu Kefermarkt, gedruckt im Museumsbericht Francisco-Carolinum, Linz 1853.
Entstehung: Granit; Turmalin; Bergmilch. Veröffentlichung: Der Pförtner im Herrenhause (»Libussa. Jahrbuch für 1852«, Jg. 11, Prag/Leipzig 1852). 
1853
Ernennung zum Konservator für Oberösterreich.
Veröffentlichung: Bunte Steine, 2 Bde. 
1854
Stifter erhält das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens. Beginn des Nervenleidens und der Leberkrankheit (Zirrhose).
Veröffentlichungen: Lesebuch zur Förderung humaner Bildung, gemeinsam mit Johannes Aprent, Realschullehrer und Stifters engster Freund in Linz; Menschliches Gut (»Österreichisches Frühlings-Album«, Wien 1854).
1855
Ernennung zum »wirklichen Schulrat« am 2. Februar mit 1800 Gulden Jahresgehalt. Aufenthalt in den Lackenhäusern; Besuch in Oberplan und Friedberg. Stifters Lesebuch wird vom Unterrichtsministerium abgelehnt. In einem Brief erwähnt Stifter erstmals den Witiko.
 



Rosenbergergut in Lackenhäuser (Neureichenau), Bayerischer Wald, häufiger Aufenthaltsort Stifters seit 1855, heute Jugendherberge

1856
Die Aufsicht über die Linzer Realschule wird Stifter entzogen. Mit Heckenast reist Stifter von Linz in den Böhmerwald. Entstehung: Der Nachsommer, Bde. l und 2. 
1857
Reise nach Triest, wo Stifter zum ersten und einzigen Mal das Meer sieht. In Klagenfurt Aufnahme von Josefine Stifter als zweite Ziehtochter.
Entstehung: Der Nachsommer, Bd. 3. Veröffentlichung: Der Nachsommer, Bde.1-3. 
1858
27. Februar: Stifters Mutter stirbt. 
1859
Stifter leidet an einer Augenlidentzündung; er darf weder lesen, schreiben noch malen. Am 21. März verlässt die achtzehnjährige Ziehtochter Juliana das Haus. Ihre Leiche wird am 18. April aus der Donau geborgen. 
1860
Reisen nach Wien und München. Entstehung und Veröffentlichung: Zwei Witwen (»Österreichischer illustrierter katholischer Volkskalender für das Jahr 1860«, Jg. 2, Linz 1860).
1862
Nervöse Störungen.
1863
Wachsende Beschwerden durch die fortschreitende Leberzirrhose. Entstehung: Nachkommenschaften. 
1864
Sommerurlaub in den Lackenhäusern; Die Krankheit verschlimmert sich. Veröffentlichung: Nachkommenschaften (»Der Heimgarten. Ein Haus- und Volksblatt mit Bildern«, Jg. l, Nr. 6-8, München 1864). 
1865
Ärztliche Untersuchung in Wien. Anschließend Kur in Karlsbad. Geld für seine Kuraufenthalte muss Stifter von Bekannten und Institutionen erbetteln. Reise nach Prag (14.-24. Juni) und Nürnberg zur Materialsammlung für Witiko. Urlaub in den Lackenhäusern.
25. November: Pensionierung mit dem Titel Hofrat. Der Statthalter von Oberösterreich vermerkt bei der Eingabe an den Kaiser, dass es eine Ehrensache der österreichischen Regierung sei, »einen Mann, der einen so hohen Rang unter den Dichtern und Schriftstellern Österreichs einnimmt, in seiner Krankheit nicht der Sorge um seinen Unterhalt und der Entbehrung preiszugeben. [...] Aus ganz verlässlicher Quelle ist mir bekannt, dass für die Wiedergenesung desselben wenig Hoffnung vorhanden sei.« - Winter in Kirchschlag nördlich von Linz.
Entstehung: Der Waldbrunnen. Veröffentlichung: Witiko, Bd. l.
1866
Mai: Kur in Karlsbad. Erholung in den Lackenhäusern, in Kirchschlag und (aus Angst vor der Cholera) wieder in den Lackenhäusern; dort im November der große Schneefall. Entstehung: Der Kuss von Sentze. Veröffentlichungen: Der Waldbrunnen (»Düsseldorfer Künstler-Album«, Jg. 16, Düsseldorf 1866); Der Kuss von Sentze (»Gartenlaube für Österreich«, Jg. l, Nr. 5-8, Graz 1866); Witiko, Bd. 2. 
1867
Mai: Kur in Karlsbad, dann Erholung in Kirchschlag. Am 2. November Besuch in Oberplan. Wiederholt Angst- und Wahnzustände. Verleihung des Ritterkreuzes der l. Abteilung des Ordens vom weißen Falken durch den Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar.
Entstehung: Der fromme Spruch; Die Mappe meines Urgroßvaters (4. unvollendete Fassung); Aus dem Bayrischen Walde. Veröffentlichung: Witiko, Bd. 3. 
1868
In der Nacht vom 25. zum 26. Januar (eventuell bei einem präkomatös-exzitativen Anfall) Schnitt mit dem Rasiermesser am Hals, möglicherweise auch versehentliche Verletzung beim Rasieren mit spontaner Hautblutung. 26. Januar: Versagen der Leber mit Endkoma. 28. Januar: 8 Uhr früh Tod Adalbert Stifters. Als Todesursache nennt Stifters Hausarzt Dr. Essenwein »Zehrfieber infolge chronischer Atrophie«.
1869
Johannes Aprent ordnet den Nachlass und ediert bei Heckenast Erzählungen, Vermischte Schriften und Briefe.
Stifter hatte von Heckenast Vorschusszahlungen über 18 894 Gulden und 92 Kreuzer erhalten. Durch die Nachlassbände wurden die Schulden getilgt, und die Zahlung einer lebenslänglichen Rente von jährlich 400 Gulden an Amalia Stifter wurde möglich.   

Textquelle:  Karl Pörnbacher: Adalbert Stifter. Literaturwissen für Schule und Studium. Reclam, UB 1517, Stuttgart 1998

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